Tief verschneite Wälder, zugefrorene Seen, knirschender Schnee unter den Schuhen und mit etwas Glück tanzende Nordlichter am Himmel: Finnisch Lappland ist im Winter ein ganz besonderes Reiseziel. Wer die Region etwas ruhiger erleben möchte, reist am besten im Februar oder noch bis Anfang März. Zu dieser Zeit sind die Schneeverhältnisse meist hervorragend, gleichzeitig werden die Tage schon wieder länger und die Chancen auf Nordlichter stehen weiterhin gut. Ein weiterer Vorteil: Im Vergleich zur Weihnachtszeit ist es deutlich weniger touristisch.
Für viele sind sie der Hauptgrund für eine Reise nach Lappland: die faszinierenden Nordlichter. Für die besten Chancen lohnt sich ein Blick auf die Wetterbedingungen und die aktuelle geomagnetische Aktivität. Besonders wichtig ist ein klarer Himmel.
Praktisch für unterwegs sind Apps wie SpaceWeatherLive, Hello Aurora oder Polarlicht-Vorhersage. Sie zeigen aktuelle Werte und Prognosen an und helfen dabei einzuschätzen, wie gut die Chancen auf Nordlichter am jeweiligen Standort geradestehen. Hello Aurora bietet beispielsweise lokale Vorhersagen, Bewölkungsinformationen und aktuelle Sichtungsmeldungen anderer Nutzer.
Mindestens genauso entscheidend ist jedoch die Lichtverschmutzung. Deshalb empfiehlt es sich, einen Mietwagen zu nehmen und die Städte am Abend hinter sich zu lassen. Schon wenige Kilometer außerhalb findet man zahlreiche ruhige Plätze, an denen nur noch Schnee, Wald und Himmel den Blick bestimmen.
Wer mit dem Mietwagen unterwegs ist, sollte allerdings die winterlichen Fahrverhältnisse nicht unterschätzen: Schnee und Eis auf den Straßen sind in Lappland ganz normal, der Bremsweg ist länger und gerade kleinere Straßen können stark verschneit sein. Deshalb Geschwindigkeit anpassen, ausreichend Abstand halten und für Fahrten mehr Zeit einplanen. Auch warme Kleidung, Eiskratzer und Schneebürste sollten im Auto nicht fehlen.
Wer finnische Kultur erleben möchte, kommt an einer Sauna inklusive anschließendem Eisbad nicht vorbei. In Lappland gibt es zahlreiche Möglichkeiten, diese Kombination auszuprobieren. Besonders schön ist es rund um den Sonnenuntergang. Erst in der heißen Sauna sitzen und anschließend vom eiskalten Wasser aus beobachten, wie sich der Himmel über der verschneiten Landschaft verfärbt – finnischer kann ein Winterabend kaum werden.
Ein besonders schönes Erlebnis in Lappland ist eine Pause an einer sogenannten Laavu. Diese einfachen Unterstände mit Feuerstellen findet man überall in der Natur und sie gehören zur finnischen Outdoor-Kultur dazu. Typischerweise landen Würstel auf dem Grillrost, dazu gibt es heißen finnischen Glöggi.
Wer in Rovaniemi unterwegs ist, sollte einen Ausflug nach Ounasvaara einplanen. Vom Observation Tower bietet sich ein wunderschöner Blick über die Stadt und die umliegende Winterlandschaft. Auch die Wege rundherum eignen sich hervorragend für entspannte Winterspaziergänge.
Ein weiteres Muss in Rovaniemi ist der Besuch eines Eishockeyspiels. Direkt in Ounasvaara liegt die Lappi Areena, in der unter anderem der Rovaniemer Verein RoKi seine Heimspiele austrägt. Eishockey gehört zu Finnland einfach dazu – und die Stimmung bei einem Spiel live mitzuerleben, ist eine schöne Gelegenheit, auch eine andere Seite der finnischen Kultur kennenzulernen.
Wer gerne aktiv unterwegs ist, sollte Lappland unbedingt mit Schneeschuhen erkunden. Die tief verschneiten Wälder wirken dabei oft wie aus einem Bilderbuch.
Ein besonders schönes Ziel ist beispielsweise die Ukko-Luosto Scenic Hut im Pyhä-Luosto Nationalpark. Nach der Wanderung wird man mit einer beeindruckenden Aussicht über die verschneite Landschaft belohnt. Luontoon ist eine gute Informationsquelle zu Wanderwegen, Hütten und Laavus in den finnischen Nationalparks.
Auch Langlaufen gehört in Finnland einfach zum Winter. Das Loipennetz ist vielerorts hervorragend ausgebaut und führt teilweise sogar über zugefrorene Seen und Flüsse. Mitten durch die weiße Landschaft zu gleiten, während rundherum nahezu völlige Ruhe herrscht, ist ein Erlebnis für sich.
Ein lohnendes Tagesausflugsziel ist der Oulanka-Nationalpark im Osten Finnlands. Im Winter präsentiert sich die Landschaft hier besonders spektakulär: tief verschneite Bäume, weiße Wälder und dazwischen ein Fluss, dessen offene Wasserstellen einen faszinierenden Kontrast zur Winterlandschaft bilden.
Wer das klassische Bild eines nordischen Winterwonderlands sucht, wird hier fündig. Schneeschuhe und warme Kleidung gehören selbstverständlich ins Gepäck.
Auch kulinarisch hat Lappland einiges zu bieten. Unbedingt probieren sollte man Rentier sowie eine wärmende finnische Lachssuppe – nach einem Tag bei Minusgraden genau das Richtige.
Beim Dessert lohnt es sich, nach den Begriffen Cloudberry oder Mustikka Ausschau zu halten. Cloudberries, auf Deutsch Moltebeeren, sind eine typische nordische Spezialität. Mustikka bedeutet auf Finnisch Blaubeere. Egal ob als Kuchen, Dessert, Marmelade oder Sauce: Beides sollte man zumindest einmal probiert haben.
Eine weitere finnische Besonderheit sind die zahlreichen Mittagsbuffets. Viele Restaurants bieten zur Mittagszeit ein Buffet an – von klassisch finnischer Küche bis hin zu asiatischen Gerichten ist für nahezu jeden Geschmack etwas dabei. Eine unkomplizierte und meist sehr gute Möglichkeit, sich nach einem Vormittag im Schnee wieder aufzuwärmen.
Nach einem langen Wintertag darf auch das Nachtleben nicht fehlen. Wer einen freien Abend hat, sollte einfach einmal ein finnisches Pub besuchen. Dort bestellt man am besten einen Lonkero, einen typisch finnischen Longdrink auf Gin-Basis, den es mittlerweile in zahlreichen Geschmacksrichtungen gibt.
Und dann: ab zur Dartscheibe. Dart ist in Finnland ausgesprochen beliebt und in vielen Pubs gehört eine Dartscheibe praktisch zur Grundausstattung. Selbst spielen oder einfach mit den Einheimischen ins Gespräch kommen – beides ist eine schöne Möglichkeit, Finnland abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten kennenzulernen.
Von Finnisch Lappland aus lässt sich ein Aufenthalt auch hervorragend mit einem Ausflug nach Schwedisch Lappland verbinden. Ein mögliches Ziel ist die Küstenstadt Luleå. Ein besonderes Wintererlebnis ist dort das Eislaufen auf dem zugefrorenen Meer – eine Erfahrung, die man so schnell nicht vergisst.
Kurz vor Luleå lohnt sich außerdem ein Zwischenstopp in Gammelstad. Der kleine historische Ort mit seinen traditionellen Holzhäusern ist ein schöner Kontrast zu den weiten Winterlandschaften der Region.
Auch rund um Pello begegnen sich Finnland und Schweden auf besondere Weise. Im Winter kann man dort – sofern die örtlichen Bedingungen und Freigaben es erlauben – die winterliche Grenzregion am zugefrorenen Fluss erleben. Allein der Gedanke, zwischen zwei Ländern inmitten einer verschneiten Landschaft unterwegs zu sein, macht den Ausflug außergewöhnlich.
Obwohl Lappland vor allem als Winterreiseziel bekannt ist, lohnt sich die Region auch im Sommer. Dann wird es deutlich ruhiger und vielerorts sind wesentlich weniger Touristen unterwegs. Statt Schneemobil und Schneeschuhen stehen lange Spaziergänge durch die Wälder, Beerenpflücken oder Kajaktouren auf dem Programm.
Besonders eindrucksvoll ist die Mitternachtssonne: Wenn es selbst spät am Abend nicht richtig dunkel wird, kann man in einer der zahlreichen Seen schwimmen gehen, durch die endlosen Wälder spazieren oder einfach die Ruhe genießen. Lappland zeigt sich dann völlig anders als im Winter – aber nicht weniger faszinierend.
Finnen schätzen ihren persönlichen Freiraum. Egal ob beim Anstellen an der Supermarktkasse, an der Bushaltestelle oder im Bus – ein bisschen Abstand gehört einfach dazu.
Auf den ersten Blick wirken viele Finnen eher ruhig und zurückhaltend. Wenn man sie aber erst einmal besser kennenlernt, erlebt man sie als unglaublich herzliche und hilfsbereite Menschen.
Und noch ein kleiner Tipp für Busfahrten: Telefonieren im Bus lieber vermeiden. In öffentlichen Verkehrsmitteln geht es meist angenehm ruhig zu – laute Telefongespräche fallen deshalb umso mehr auf. Wer sich an diese ungeschriebenen Regeln hält, fühlt sich ziemlich schnell ein bisschen mehr wie ein Local.
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