Die Zahl der Gäste, die mit "Billigfliegern" nach Salzburg anreist, steigt. Ein Drittel der am Salzburger Flughafen abgefertigen Passagiere sind bereits Low-Cost-Carrier-Kunden. Davon verbringen jährlich rund 150.000 Gäste ihren Urlaub im Land Salzburg.
Tendenz steigend! Der gesamtwirtschaftliche Nutzen beträgt 141 Millionen Euro: Das schafft und sichert zusätzlich 1.800 Arbeitsplätze. Der Pinzgau, Pongau und die Stadt Salzburg profitieren am meisten.
Seit 2001 starten und landen "Low-Cost-Airlines" sogenannte Billigfluglinien (Ryanair, HLX, Thomsonfly, Sky Europe, Norwegian und seit 2003 und 2004 Aer Lingus und FlyBe) auf dem Salzburger Flughafen. Die Flugbewegungen haben sich in diesem Zeitraum insgesamt vervierfacht, ebenso die Zahl der Passagiere. "Die am Flughafen Salzburg abgefertigten LCC-Reisenden machen bereits über ein Drittel der Gesamtpassagiere aus", sagt Flughafendirektor Günther Auer "der LCC-Sektor hat bereits den klassischen Linienflug überholt." Und: der Anteil an LCC-Passagieren ist im Gegensatz zu Wien, Graz und Linz in Salzburg doppelt so hoch.
Salzburger Flughafen ist ein regionaler Player
Der Salzburger Flughafen gewinnt als Infrastrukturfaktor und als Drehscheibe für den Tourismus zunehmend an Bedeutung - heute werden am Salzburger Flughafen insgesamt rund 1,7 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt. "Das bedeutet ein Potential von 1.200 Arbeitsplätzen am Standort insgesamt", so Auer.
Auch wenn der Flughafen im Vergleich zu anderen Airports im europäischen Raum von seinen Kapazitäten her zu den "Kleinen" gehört, ist er für den Wirtschaftsstandort Salzburg von großer Bedeutung, aber auch ein wichtiger Knotenpunkt für die angrenzenden Regionen.
150.000 LCC-Urlauber in Salzburg
Für den Salzburger Tourismus bedeutet der bisherige Ausbau der Billigflugangebote für den Untersuchungszeitraum Sommer 2005 / Winter 2006 ein Potential von rund 150.000 Urlaubern, wie die aktuelle Studie "Regionalwirtschaftliche Effekte des Low-Cost-Carrier-Tourismus in Salzburg" von Mag. Wilfried Bischofer und Dkfm. Bernd Gaubinger belegt.
Die gesamte Region Salzburg inklusive benachbartes Bayern, Tirol und Oberösterreich profitiert von nunmehr rund 200.000 LCC-Urlaubern jährlich. Der Großteil davon, fast drei Viertel aller Urlaubsgäste, die per LCC am Salzburger Flughafen landen, verbringen ihren Urlaub in Salzburg. "Der direkte Nutzen, der aus den Ausgaben der LCC-Gäste, vor allem für den Tourismus, aber auch den Handel, das Gewerbe und andere Wirtschaftszweige, resultiert, liegt bei 77 Millionen Euro", sagt Studienautor und Wirtschaftsexperte Bernd Gaubinger.
Saisonal gibt es jedoch erhebliche Unterschiede; Während im Sommer das Ausgabenvolumen bei 15 Millionen Euro liegt, beträgt es im Winter 62 Millionen Euro.
"Einschließlich der damit ausgelösten indirekten Wirkungen bringt der LCC-Tourismus dem Land Salzburg einen Gesamtnutzen von 141 Millionen Euro im Jahr. Damit sind schließlich auch markante steuerliche Effekte im Ausmaß von etwa 14 Millionen Euro verbunden" sagt Gaubinger.
Billigflieger sind keine Billigtouristen
Im Rahmen der Untersuchung wurden 1000 LCC-Passagiere zu ihren Urlaubsmotiven, Ausgabenverhalten und Urlaubsdauer befragt.
"Der durchschnittliche LCC-Salzburg-Urlauber ist jünger als der übliche Salzburg-Urlauber, er verfügt über ein höheres Bildungsniveau, reist mit Partner, Kollegen oder Freunden, ist schon einmal in Salzburg gewesen, bleibt durchschnittlich 5 Tage, urlaubt im Sommer in der Stadt, im Winter in den südlichen Bezirken", analysiert der Studienautor und Wirtschaftsexperte Bischofer, "und Urlauber, die auf Billigflugangebote zurückgreifen, sind keine Billigtouristen".
Unter der Berücksichtigung von einer Aufenthaltsdauer von 4,9 Tagen gibt der LCC-Sommerurlauber mit 78 Euro pro Tag zwar etwas weniger aus als der durchschnittliche Salzburg-Gast (95 Euro täglich), dafür greift der LCC-Winterurlauber kräftiger ins Geldbörsl. Er gibt rund 121 Euro pro Tag aus. Im Verhältnis dazu gibt der durchschnittliche Winter-Urlauber "nur" 99 Euro (ohne Anreisekosten) am Tag aus.

Tourismus in Salzburg hat überdurchschnittlich zugenommen
Der Fremdenverkehr ist einer der wichtigsten Motoren der Salzburger Wirtschaft. "Innerhalb der letzten fünf Jahren hat es in dieser Branche ein dreimal höheres Beschäftigungswachstum gegeben, als in der Gesamtbeschäftigung über alle Branchen hinweg", so Bischofer.
Im Winter sind dabei im Tourismus 3.800 neue Arbeitsplätze (+18,1%), im Sommer 1.800 (+8,2%) entstanden. Der Pongau und der Pinzgau haben dabei am meisten zugelegt. Der Pongau konnte ein Plus von 1.550 Arbeitsplätzen (+24,7%) allein im Wintertourismus verbuchen (im Sommer waren es +500). Im Pinzgau entstanden im gleichen Zeitraum insgesamt 1.300 Arbeitsplätze. Im Salzburger Tourismus werden bis zu 25.000 Arbeitnehmer zur Saisonspitze beschäftigt. Der Anteil der Frauen beträgt 60%. Besonders wichtig ist der Tourismus für den Süden Salzburgs, wo in der Wintersaison nahezu jeder 4. Arbeitnehmer tätig ist.
1.800 Arbeitsplätze für Salzburg
"Der zunehmende Anteil von Billigflugurlaubern", sagt Bischofer, "lässt darauf schließen, dass es zu positiven Effekten bei den Beschäftigungszahlen kommt." Das belegt auch die Untersuchung: Insgesamt werden durch die gesamtwirtschaftliche Beschäftigungswirkung des LCC-Tourismus im Untersuchungszeitraum 2005/2006 rund 2.250 Arbeitsplätze in der Gesamtregion geschaffen oder gesichert. "Für das Bundesland Salzburg bedeutet das einen Arbeitsplatzeffekt von rund 1.800 Beschäftigten jährlich", betont Bischofer.
Übernachtungen steigen: Gäste aus neuen Herkunftsländern
In den Jahren 2000-2005 nahmen die Übernachtungen im Bundesland Salzburg mit einer Steigerung von 8,9% doppelt so stark zu wie im Österreichdurchschnitt (4,9%). Der Gesamtbeitrag des Tourismus zum regionalen Bruttoinlandsprodukt beträgt 18,5%.
Pro Jahr können Salzburgs Tourismus 16,5 Millionen Übernachtungen von Ausländern und 5,5 Millionen Übernachtungen von Inländern verbuchen.
Höchste Zuwachsraten gab es bei den Übernachtungen im Winter (als Vergleichszeitraum wurde die Wintersaison 99/00 und 04/05 herangezogen) durch Gäste aus: Ungarn: +75,4%, Großbritannien: +73,7%, Russland und GUS: +57,5%, Dänemark: +42,8%, Tschechien: +53,2%. Reisende aus den USA verbuchten hingegen ein Minus von 4,9%.
Die Sommer-Zuwächse bei Übernachtungen (Vergleich Sommersaison 2000-2005) weisen ein Plus von 200% von Gästen aus den Arabischen Ländern auf. Tschechien +49,9%, Niederlande +45,4%, Belgien +38,4 %, Dänemark und Schweden jeweils +23,6%.
"Ein Teil der Zuwachsraten bzw. der guten Tourismusstatistik, vor allem durch Gäste aus Großbritannien oder Deutschland kann auch den LCC-Fluggästen zugeschrieben werden", so Gaubinger.
LCC-Tourismus füllt saisonale Lücken
Der Tourismus in Salzburg ist geprägt von einer starken Wintersaison (Jänner-März) und Sommerspitzen (Juli-August). Die vorliegende Analyse zeigt, dass der LCC-Tourismus diesem saisonalen Muster nicht folgt, abgesehen davon, dass auch hier die Winterurlauber die Sommergäste überwiegen. "LCC-Touristen reisen auch vermehrt außerhalb der Saison; sie sind weniger an die Ferien gebunden, da der Anteil des jüngeren, kinderlosen Publikums größer ist. Der LCC-Tourismus trägt dazu bei, Lücken in den Zwischensaisonen zu füllen und wirkt >glättend<, d.h. saisonverlängernd. Er ist somit ein wesentlicher Faktor für den Ausbau eines Ganzjahrestourismus in Salzburg", betont Gaubinger.

Der LCC-Salzburg-Gast
Von allen befragten LCC-Passagieren verbrachten 44% Urlaub im Salzburger Land, 29% in der Stadt Salzburg, 18% im angrenzenden Bundesland und 10% in Bayern. "Das heißt vom LCC-Tourismus profitieren nicht nur das Land und die Stadt Salzburg, sondern auch die angrenzenden Regionen", so Bischofer.

Bevorzugtes Reiseziel im Winter ist hingegen das Land Salzburg (60%).
"Besonders gerne reisen LCC-Urlauber in den Pongau und Pinzgau", so Bischofer. Im Tennengau, Flachgau und Lungau gibt es jedoch kaum Buchungen.

Fast alle wollen wieder nach Salzburg kommen
40% der befragten Billigfluggäste besuchen zum erstenmal Salzburg, rund 60% gaben an, schon einmal in Salzburg gewesen zu sein.
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 5,3 Tage.
Über die Hälfte der Befragten sah ihre Motivation, um in Salzburg Urlaub zu machen, darin, dass es eine Billigflugverbindung nach Salzburg gibt. "Bei den LCC-Urlaubern zeigte sich“, so Bischofer, „dass die Kostenfrage des Fluges für einen Salzburgurlaub ausschlaggebend ist, ebenso spielt die direktere Anbindung zum Reiseziel eine große Rolle."
Und die Befragten waren von Salzburg als Tourismusland begeistert: Fast alle wollen ihren Urlaub wieder in Salzburg verbringen. "Zwei Drittel machen dies jedoch vom Vorhandensein einer Low-Cost-Carrier-Verbindung abhängig", sagt Bischofer.
Aktivurlaub im Winter - Erholung und Kultur im Sommer
Die befragten LCC-Urlauber kommen im Winter vor allem um Sport zu betreiben. Im Sommer suchen sie Erholung und unternehmen kulturelle Ausflüge. Beliebtestes Ausflugsziel ist dabei das Salzkammergut.
Begehrteste Unterkunftsart ist das Hotel: Über die Hälfte nächtigt dort. Ein Fünftel entschließt sich für eine Unterkunft in einem Gasthof oder in einer Pension. 13% schlafen bei Freunden oder Verwandten. 9% der LCC-Urlauber nächtigen in einer Privatzimmervermietung.
Fast die Hälfte der Gäste gibt an, mit dem Taxi zum Urlaubsort vom Flughafen aus zu fahren, Leihwägen oder hoteleigene Busse haben deutlich geringere Anteile, dahinter liegt die Anspruchnahme von öffentlichen und privaten Verkehr.
Gebucht wird im Internet
63% der Gäste haben sich im Internet über das Reiseangebot informiert.
Gebucht haben per Internet immerhin 79% der Gäste, ein relativer geringer Anteil buchte "klassisch" übers Reisebüro.
Pauschalarrangements wurden so gut wie keine gebucht, sind in diesem Sektor jedoch auch kaum vorhanden.

Von links:
LH-Stv. Othmar Raus, Dir. DI Günther Auer, Mag. Wilfried Bischofer, Dkfm. Bernd Gaubinger, Mag. Karl Heinz Bohl, Ing. Roland Hermann