Home
Salzburg Airmail Newsletter
 
 
 
Die Architektur des Hangar-7 am Salzburg Airport
Architektur Hangar-7 Im Himmel: Der neue Hangar-7 auf dem Salzburg Airport will mehr sein als eine Homebase für Flugzeuge: eine weltweit einzigartige Erlebniswelt für alle, die an legendärem Fluggerät und exzellentem Essen interessiert sind – und an großer Architektur.


Die Douglas DC-6B an sich ist schon eine imposante Maschine:
36 Meter Flügelspannweite, ein neun Meter hohes Seitenleitwerk, annähernd 40 Tonnen Gewicht. Ein ganz besonderes Exemplar stöberte im Jahr 2000 in Afrika Siegfried Angerer auf, Chefpilot der "Flying Bulls“, Salzburger Sammler und Heger historischer Flugzeuge: Angerer fand die letzte gebaute Douglas DC-6B. Sie stammt aus dem Jahr 1958, diente Marschall Tito als Jugoslawiens "Air Force One“und fand in den Siebzigern auch in Zambia zum komfortablen Transport des Präsidenten Kenneth Kaunda Verwendung.
Es wäre nicht angebracht, dachte man bei den Flying Bulls, dieses Flugzeug in einen Hangar zu schieben, der wie ein Hangar aussieht, also den architektonischen Reiz einer Schuhschachtel nicht übersteigt.
Doch dies ist nicht mehr notwendig: Seit der Eröffnung des architektonisch höchst außergewöhnlichen Hangar-7 auf dem Salzburg Airport am 22. August 2003 bekam die DC-6 ebenso wie die anderen historischen Exemplare der Flying-Bulls-Flotte eine würdige Homebase.

Der erste Blick auf den raumgreifenden, verglasten Schalenbau lässt die weit ausholende Idee hinter dem ehrgeizigen Projekt, ein "Himmelsgewölbe" über der DC 6 aufzuspannen, gar nicht mehr so vermessen erscheinen. Der Vergleich mit einem Flügel drängt sich auf und erweckt Eindrücke von Dynamik und beinahe Schwerelosigkeit – trotz wenig bescheidener Dimensionen von fast 100 Metern Länge, einer Breite von über 60 Metern. Alleine das Eingangsportal ist 40 Meter lang (was eine nötige Folge der eingangs erwähnten Dimensionen des neuen Vorzeige-Bewohners ist). In die Glasschale eingeschnitten sind zwei Zylindertürme, die Platz für Büros, Lounges und ein Restaurant bieten. Menschen betreten das Gebäude üblicherweise über eine Kellergarage, die Flugzeuge sind über einen eigenen Rollweg an die Piste angeschlossen.

Fast vier Jahre Planung, Entwicklung und Tragwerksfachsimpelei, die Verbauung von 1.200 Tonnen Stahl, 380 Tonnen teilweise gebogenem Spezialglas und die Überbauung von insgesamt 65.300 Kubikmeter Rauminhalt sind abgeschlossen. Ziel der Bauherren war es, moderne Technik mit den mythischen Träumen vom Fliegen zu verbinden. Ehrgeiziges Ziel war weiters, nicht nur eine gediegene Heimstätte für rare Oldtimer zu finden, sondern einen Begegnungsort von Wissenschaft, Kunst und Unterhaltung zu etablieren, der den Hangar-7 weit über seine Funktion als Aufbewahrungs- und Wartungsraum für eine Sammlung wertvoller Flugzeuge erhebt.

Das hinter dem Hangar-7 stehende Konzept begreift einen Flughafen nicht einfach als Durchgangs- oder Abreisestation, sondern in gewisser Weise auch als Selbstzweck: Menschen werden auf den Salzburger Flughafen kommen, die gar nicht verreisen wollen. Deshalb ist ein – vom weltberühmten „Koch des Jahrhunderts“ Eckart Witzigmann betreutes – Gourmetrestaurant in das Konzept integriert; dazu eine Terrasse, zwei Bars mit starker Aussicht und drei kühn durch die Halle geschwungene, frei gespannte Stege, von denen aus die Besucher das mobile Interieur des Hangars aus verschiedenen Blickwinkeln bewundern können.

Über einen dieser Stege erklimmt man Bar "360°" (sprich "Three-Sixty"), sie hängt wie ein riesiger Luster im Zenit des Hangars. Durch den Glasboden der Bar erlebt man die Flotte der Flying Bulls aus der Vogelperspektive: umso interessanter, als man Flugzeuge üblicherweise ja nur von unten oder von der Seite sehen kann.

Die Halle selbst wird nicht nur von verschiedenen Standpunkten aus räumlich völlig unterschiedlich wahrgenommen, sondern auch bei sich änderndem Wetter. Lichtdurchlässigkeit und Spiegeleffekte der Glasschale reagieren auf nuancierte Veränderungen der Helligkeit, wodurch man sich – etwa bei wechselhaftem Wetter, beim berühmten Salzburger Schnürlregen oder während der Dämmerung – in einem Vexierspiel zwischen Natur und Technik wähnt. Die Außenverhältnisse wirken, wenn auch leicht gedämpft, in den Innenraum des Hangars hinein.

Der Hangar-7 des Salzburger Flughafens darf als einer der modernsten in Europa gelten.
Zuständig für die Verwirklichung der Pläne war Architekt Volkmar Burgstaller: Er begleitete die elaborierten Versuche, das komplizierte Tragwerkssystem mittels 3-D-Simulation und Computer-Aided-Design-Software (CAD) immer weiter zu verfeinern; die Abwicklung mit den ausführenden Bauverantwortlichen der Waagner Biro; aber vor allem die Bestrebungen, die vielen vorgesehenen Funktionalitäten unter ein Dach zu bringen. Burgstaller: "Sie können sich vorstellen, wie schwierig es in einer Stahl-Glas-Konstruktion ist, allein die ganze Kabelage unsichtbar zu machen, die man für so unterschiedliche Nutzungen wie Hangar, frei schwebende Bar und Restaurant braucht." Man kann sich das vorstellen, in der Tat.

Geometrisch betrachtet hat der Hangar die Form einer ellipsoiden Halbschale, die an einer Seite scheinbar ein paar Meter in den Boden getrieben wurde. Modellhaft gesagt: Das Ellipsoid wird leicht um die Längsachse gedreht und so weit im Gelände versenkt, dass (unter Bedachtnahme auf den Schutzbereich des Flughafens) dabei die größtmögliche Querschnittsgrundfläche entsteht. An der Nordseite, gegen die Hauptwindrichtung, befindet sich das Tor der halboffenen Konstruktion. Dazu wird etwa ein Viertel des Halbschalenmodells herausgeschnitten (so öffnet sich der Hangar zum Rollweg, wird der Blick auf das Empfangsgebäude des Flughafens frei). Aber die Eingangsfront verläuft nicht im rechten Winkel, sondern schief zur Längsachse des Ellipsoids. Dadurch entsteht ein leicht verzerrter Gesamteindruck – der Flügel soll schließlich so aussehen, als wäre er in Bewegung.

Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Einsatz von insgesamt 1.754 Stück Glastafeln (alle unterschiedlich groß, ein Teil davon speziell gebogen). Bewusst gebrochen wird die Blickführung durch zwei in die Schale eingefasste Glaszylinder – dies übrigens an durchaus entscheidender Stelle der Tragwerkskonstruktion. Beide Türme sind fünfgeschoßig und bilden ein visuelles Bindeglied zwischen dem Stadtraum und dem Hangar-Ellipsoid. Je nach Standort in den Türmen bieten sich weitere interessante Blickachsen in den Hangar hinein oder über das (idealerweise im Sonnenlicht gleißende) Dach hinweg auf die Piste.

Auch für die Innenraumgestaltung der Zwillingszylinder hat man sich einiges einfallen lassen: Im Erdgeschoß finden sich neben dem Entrée ein nach dem österreichischen Physiker Christian Doppler benanntes Foyer, ein Café und der Bürobereich. Der erste Stock ist für das Witzigmann-Restaurant (40 Plätze) und eine geräumige Aussichtsterrasse zum Innenraum des Hangars hin reserviert. Und je weiter man zwischen den Türmen nach oben steigt, desto prächtiger wird nicht nur der Blick auf die Feste Hohensalzburg, sondern desto exklusiver werden auch die geplanten Lounges, vom Zigarren- bis zum Member’s Club.

Der Hangar-7 wird in der Chefetage des Salzburg Airport als "Wahrzeichen" des Flughafens gehandelt. Man ist stolz in Salzburg. Und dies zurecht: Denn am Ende hat es sich mehr als nur ausgezahlt, alle logistischen Hindernisse zu beseitigen. Auch die im Vorfeld oft gestellte Frage nach der Machbarkeit ist abschließend beantwortet: Das meiste, was gedacht wurde, ist gemacht. So kommen die DC 6 und ihre Kollegen der Flying Bulls in den Genuss des wohl schönsten Flugzeug-Wohnraums der Welt.




[drucken diese Seite drucken | versenden diese Seite mailen | zurück zurück zur vorigen Seite | nach oben an den Seitenanfang gehen | editiert: 24-01-2007]